Das Formel-1-Team von McLaren stieß Ende der 1990er Jahre auf eine leistungssteigernde Technik, die später zur Standardausstattung moderner Autos werden sollte. Ihre Lösung: ein drittes Bremspedal, das es dem Fahrer ermöglichte, gezielt ein Hinterrad zu blockieren und so die Kurvengeschwindigkeit drastisch zu verbessern. Obwohl es von den F1-Regulierungsbehörden verboten wurde, blieb das Grundprinzip bestehen und entwickelte sich zu den heutigen Torque-Vectoring-Systemen.
Der Aufstieg der „Geigenbremse“
In einer Ära des rasanten technologischen Fortschritts in der Formel 1 nutzten die McLaren-Ingenieure Unklarheiten im Regelwerk aus. Sie führten ein drittes Pedal ein, das beim Drücken Bremskraft entweder auf das linke oder rechte Hinterrad ausübte. Diese primitive Form des Torque Vectoring ermöglichte es Fahrern wie Mika Häkkinen, das Auto aggressiver in Kurven zu drehen, wodurch Untersteuern vermieden und die Beschleunigung verbessert wurde.
In seiner einfachsten Form umfasste das System einen zusätzlichen Hauptbremszylinder und ein zusätzliches Pedal. Es war weder automatisiert noch in die Lenkung integriert; Die Fahrer kontrollierten die Radbremsung manuell mit Geschick und Urteilsvermögen. Erste Tests zeigten eine Verbesserung um eine halbe Sekunde pro Runde und trugen damit zum Meisterschaftssieg von McLaren im Jahr 1998 bei. Später fügte das Team einen Cockpit-Schalter hinzu, der es den Fahrern ermöglichte, die Bremsseite pro Kurve anzupassen.
Warum F1 es abschaltet
Das McLaren-System wurde genauer unter die Lupe genommen, als der Fotograf Darren Heath während eines Rennens ein Bild von einer Bremsscheibe machte, die ungewöhnlich heiß glühte. In Zusammenarbeit mit dem Journalisten Matt Bishop enthüllten sie der Welt den Aufbau. Rivalenteams protestierten mit der Begründung, es verstoße gegen den Geist des Reglements, was zu seiner Einstufung als eine Form der Allradlenkung und dem anschließenden Verbot führte. Ironischerweise behaupteten die Teams, dass die Entwicklung eines ähnlichen Systems zu teuer wäre, obwohl McLaren angeblich 50 £ für die Implementierung gekostet hat.
Vom F1-Verbot zur modernen Technologie
Trotz seiner Entfernung aus der Formel 1 blieb das Konzept bestehen. Die Idee, die Radkräfte zu steuern, um die Rotation zu manipulieren, erwies sich als zu effektiv, um sie zu ignorieren. Im Laufe der Zeit tauchte es im computergesteuerten bremsbasierten Torque Vectoring wieder auf, das heute in Stabilitäts- und Traktionskontrollsystemen üblich ist. Moderne Hot Hatches und SUVs nutzen diese Technologie, um Agilität und Stabilität zu verbessern.
Heute verfeinern aktive Torque-Vectoring-Differenziale das Konzept weiter und verteilen das Drehmoment zwischen den Rädern, anstatt sich auf das Bremsen zu verlassen. Die Grundlage bleibt jedoch McLarens ursprüngliche Idee: die Kontrolle der Rotation durch die Steuerung der einzelnen Radkräfte.
Das Gesamtbild
McLarens „Geigenbremse“ veranschaulicht die Rolle der Formel 1 als Testgelände für Automobilinnovationen. Die Vorschriften mögen diese konkrete Lösung erstickt haben, aber das zugrunde liegende Prinzip blieb bestehen. Es wurde als Sicherheits- und Leistungssteigerung in Serienautos übernommen. Was einst als zu störend für die Formel 1 galt, ist heute in Alltagsfahrzeugen kaum noch wahrnehmbar. Die zufällige Erfindung des Teams hinterließ Spuren in der modernen Automobilwelt und beweist, dass selbst verbotene Technologien nachhaltige Auswirkungen haben können.























