Der Abarth 600e Scorpionissima zielt darauf ab, das charakteristische Abarth-Erlebnis in einem Elektropaket zu bieten, schafft es jedoch nicht, den Kernaspekt der Marke einzufangen. Während die Leistungsdaten respektabel sind – 278 PS, 0-100 km/h in 5,8 Sekunden – hat das Auto Schwierigkeiten, das raue, fesselnde Fahrgefühl seiner benzinbetriebenen Vorgänger zu erreichen. Der Testbericht verdeutlicht die Diskrepanz zwischen dem Erbe von Abarth und dieser elektrischen Weiterentwicklung, insbesondere in den Bereichen Klang, Haptik und Gesamtpersönlichkeit.
Leistung und Handhabung: Eine gemischte Sache
Der „Scorpion Track“-Modus des 600e setzt die volle Leistung frei, beschleunigt die Gasannahme und verschärft die Lenkung, beeinträchtigt jedoch die Effizienz, indem das regenerative Bremsen deaktiviert wird. Dies verbessert das Pedalgefühl, geht jedoch auf Kosten der Reichweite und zwingt den Fahrer, sich zwischen sportlichem Fahren und praktischer Funktionalität zu entscheiden. Das Sperrdifferenzial des Autos sorgt für Grip in Kurven, aber das Fahrverhalten bleibt unerbittlich stabil. Das Handling ist zwar gut, aber es fehlt ihm die verspielte, nachsichtige Art älterer Abarths.
Der Klang der Stille: Oder eine schlechte Nachahmung
Ein zentrales Thema ist der synthetische Motorsound. Abarth versucht, den Charme seiner lautstarken Benzinmotoren mit einem Lautsprecher unter der Stoßstange zu reproduzieren, aber das Ergebnis ist ein dumpfes, unangenehmes Dröhnen. Im Gegensatz zum Ioniq 5 N von Hyundai, der ein überzeugenderes virtuelles Getriebe und eine überzeugendere Klangentwicklung bietet, wirkt die Nachbildung des 600e gezwungen und beeinträchtigt das Fahrerlebnis. Besitzer können den Soundgenerator deaktivieren, aber der Schaden ist bereits angerichtet.
Praktikabilität und Komfort: Ein Rückschritt
Der 600e leidet auch unter praktischen Problemen. Der Platz auf den Rücksitzen ist minimal, sodass er für Passagiere oder Familien ungeeignet ist. Der 360-Liter-Kofferraum ist ausreichend, aber nicht außergewöhnlich. Die Fahrqualität ist zwar fest und kontrolliert, auf realen Straßen jedoch hart. Dies ist ein Auto, das für kurvige Landstraßen gebaut wurde, nicht für den täglichen Pendelverkehr.
Der Geist von Abarths Vergangenheit
Der Test stellt den 600e in einem ungünstigen Kontrast zu den älteren Abarth 595 und 695. Diese Autos besaßen trotz ihrer Mängel einen Charakter, der dem Elektromodell fehlt. Das rohe Schaltgetriebe, der kehlige Motor und der kompromisslos analoge Innenraum des 595 sorgten für ein emotionales Erlebnis, mit dem der 600e nicht mithalten kann. Das Elektroauto fühlt sich im Vergleich steril an und tauscht Persönlichkeit gegen Leistungskennzahlen ein.
Reichweite und Effizienz: Realistische Erwartungen
Die reale Reichweite ist besorgniserregend. Während Abarth bis zu 199 Meilen angibt, kam der Rezensent im Durchschnitt auf nur 160 Meilen, wobei der Bordcomputer des Autos zu optimistische Schätzungen lieferte. Diese Diskrepanz könnte bei langen Fahrten problematisch sein. Bei kaltem Wetter lag der durchschnittliche Wirkungsgrad bei 2,7 Meilen pro kWh, verglichen mit den angeblichen 3,8 Meilen pro kWh.
Fazit
Der Abarth 600e Scorpionissima ist ein schneller, leistungsstarker elektrischer Hot-Hatch, der jedoch den Geist seiner Vorgänger nicht aufgreift. Der synthetische Klang, das raue Fahrverhalten und die eingeschränkte Praktikabilität untergraben seine Attraktivität. Während es auf der Rennstrecke beeindrucken mag, fällt es ihm schwer, den Alltagsspaß und den Charakter zu bieten, die die Marke Abarth ausmachen. Das Auto fühlt sich wie ein Kompromiss an – ein leistungsorientiertes Elektrofahrzeug, das zu viel von dem opfert, was Abarths überhaupt zu etwas Besonderem gemacht hat.






















